Kolumne für Leser
20.12.24
Kolumne für Leser, die mich persönlich kennen oder kennenlernen möchten
Vorweihnachtszeit Stress pur. Aber ich kann ruhig bleiben. Ich muss ja nur für mich sorgen, andere sorgen für mich. Ich bin nun sicher, dass der Fall Bendicta (Die einer meiner Betreuerin werden wollte) abgeschlossen ist. Sie hat nicht mit offenen Karten gespielt. Wir sind von ganz anderen Voraussetzungen ausgegangen. Schade, aber so ist das Leben. Ich habe das Gefühl, dass ich Weihnachten ganz gut überstehen werde. Ich brauche Ruhe.
25.12.24
Weihnachten, Weihnachtserinnerungen, Erinnerungsfetzen
spuken in meinem Kopf.
Was habe ich erlebt in einem langen Leben?
Was haben andere erlebt und erzählt?
Ach, wenn es doch gewesen wäre.
Weihnachten 2024
Ein Fest für Menschen,
das noch heute bestand hat.
In Bethlehem geboren wurde er nicht.Der Retter der Welt konnte er trotzdem werden.
Seine Botschaft des Friedens und der Vergebung gilt auch denen,
die die Botschaft nicht hören wollen.
Jesus,
der Retter der Welt, wurde unsterblich,
weil es stets Menschen gab,
die ihm vertrauten.
Gott kam zu den Menschen,
nicht nur nach Bethlehem.
Bethlehem eine Metapher für Orte, wo Menschen mit Respekt betrachtet werden.
Das ist meine Weihnachtsbotschaft.
25.12.24
Ich habe was zu sagen und will nicht Schweigen,
wenn Reden angezeigt ist.
Ein Rückblick,
ein Blick in das, was kommen wird.
Das Verborgene
darf ich nicht ergründen wollen.
Letzte Sicherheit gibt es nicht.
Aber da sind die Zusagen,
viele Male interpretiert und lauthals verkündet.
Ach könnte ich doch manche Psalmen in neuem Gewand verkünden,
denen, die nicht wagen zu beten.
Das Jahr geht zu Ende,
aber ein Anfang wirft Schatten voraus.
Ich spüre die Hände, die mich über Abgründe fest umklammerten.
Wie gut, dass Bilder mehr ausdrücken, als alle sprachlichen Verrenkungen.
Sprachbilder, Bildersprache!
Wie gut ich das üben konnte, als es niemand glaubte.
Da schließt sich der Kreis.
26.12.24
Weihnachten 2024 ist Geschichte
Nicht Weihnachten erfüllte mich mit Vorfreude, Advent war das Zauberwort, das mich bewegte.
Erwartung, Hoffnung und Rückblick auf Lebensgeschichten, die mit meiner persönlichen Geschichte verbunden sind. Menschen und ihre Geschichten. Das ist mein Motto, mein Lebensthema geworden.
Jeder Mensch, der geboren ist, nimmt seine eigene Geschichte mit ins Grab. Massengräber in Geschichte und Gegenwart künden von Menschenleben, die vergessen wurden, wenn nicht ein Zeitgenosse an sie erinnert. Ein langjähriger Freund aus Studienzeiten meiner Eltern verlor seine geliebte Frau, als die Kinder sie noch gebraucht hätten. Der alte Mann hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, an alle Menschen aus seiner Gemeinde zu erinnern, die im Dritten Reich, weil sie Juden waren, nach Ausschwitz gebracht wurden. Man hielt ihn zeitweise wegen seines „Hobbys" für einen Spinner. Ich schätze diese Erinnerungskultur, die daran erinnert, dass überall auf der Erde Menschen in Massengräber entsorgt werden.
Advent, Ankunft
Ich komme zu dem Thema zurück. Mein Bruder, der leibhaftig am 24. Dezember mir gegenüber saß, wurde an diesem Tag 57 Jahre alt. Er wurde in Seribudolok (dt.: 1000 Berge) geboren. Wir erlaubten uns den Spaß, „Ihr Kinderlein kommet" zu seinen Ehren zu singen. Da ist die alte Geschichte mit Bart.
Während er in Seribudolok das Licht der Welt erblickte, erklang von einer Schallplatte das gar nicht alte kitschige Lied, aufgelegt von einer damals alten holländischen Missionsschwester. Mein Bruder und seine spätere Frau reisten als Studenten nach Sumatra und gelangten über Irrwege nach Seribudolok. Die alte in Deutschland ausgebildete Hebamme erinnerte sich an die Geburt am Heiligen Abend. Erinnerungen, Vermutungen und Dankbarkeit. Ich war glücklich, dass Bruder, Schwägerin und deren erwachsenen Kinder mit Mutter und mir diesen Heiligen Abend erleben konnten.
27.12.24
Humor ist, wenn man trotzdem lacht. In was für einem Staat leben wir? Ein grandioses Grundgesetz, von Müttern und Vätern erdacht und formuliert für alle Zeiten. Was unsere Vorfahren erlebt hatten, ließ Menschen sprachlos werden. Mein Großvater, ein sensibler Mensch, redete nie mit seinen Kindern über Kriegserlebnisse. Unser Grundgesetz schützt alle Notleidenden und Menschen wie mich, die man nicht mehr als Behindert bezeichnet. Menschen mit Handycaps: das wird verstanden von denen, die Dienst tun an allen Flughäfen dieser Welt. Ich wiederhole es bewusst immer wieder:
Unsere Sozialgesetzgebung ist vorbildhaft und von keinem Staat der Welt zu toppen.
Aber, aber, aber... wie passt zu diesen Aussagen, was ich zur Zeit erlebe?: Viel Geld wurde für meine Rund-um-die-Uhr-Versorgung bewilligt. Mir wird erlaubt, Arbeitgeber zu spielen. Wo aber bleiben die Menschen, denen ich Freundschaft anbiete? An den Arbeitsbedingungen bei mir gibt es nichts auszusetzen. Da ist ja immer noch die alte, erblindete Mutter, die oft gescholtene und gekränkte. Sie wird es schon richten, obwohl sie einen Ausweis hat, der ihr eine 70%ige Behinderung bescheinigt. Und nun wird es richtig komisch. Mutter wurde der Pflegegrad 2 zuerkannt. Aber über die Feiertage will niemand helfen. Der Tarifvertrag macht es möglich, einen langen Weihnachtsurlaub zu genießen. Wer wird so dumm sein, die Brückentage nicht zu nutzen und wer verbindet das offene Bein der alt gewordenen Autistenmutter?
27.12.24
Ich dart nicht verraten, wer heute kam. Statt ihren Namen zu nennen, benutze ich verschlüsselte Punkte ...Schwarzarbeit ist ungesetzlich. Bleibt nachzutragen, dass die alt gewordene Frau ehrenamtlich tätig war und noch ist, seit der autistische Sohn in Deutschland lebt. Der Mann mit Handycaps hat die deutsche Staatsbürgerschaft, obwohl geboren 1969 in Indonesien. Ach wenn doch die viel gescholtene deutsche Bürokratie nicht alles blockieren würde, was in ausgefeilten Gesetzen formuliert wurde.
27.12.24
Ordnung ist das halbe Leben
Wenn es doch noch einmal einen geordneten Tagesablauf geben könnte! Ordnung ist das halbe Leben. Aber mein Leben und das Leben meiner Mutter ist in Unordnung geraten. Den Autismus kann man ein Stück weit besiegen, aber die fehlgeleiteten Sinneseindrücke bleiben ein Problem für immer. Und darum brauche ich nach wie vor die ordnende Hand der Mutter. Ich bewundere Mutter, deine Fähigkeit, Ordnung zu schaffen, ohne sehen zu können, was du tust. Wie soll jemand verstehen, dass du wirklich blind bist?
28.12.24
Mein Weihnachtsbaum
Viele Jahre wuchs er auf meinem Balkon und verlor seine Nadeln nicht. An meinem Geburtstag strahlten die Lichter und begleiteten mich während der Adventszeit. Nun, da mein Vater nicht mehr mit uns Weihnachten feiern kann, wurde der Baum zum Baum der Trauer und Erinnerung. Wie hatten wir uns empört, als Vater den winzigen Baum nach Hause brachte. Hätte er nicht mehr Geld ausgeben sollen? Aber die Wurzeln des Bäumchens überlebten viele Sommer und Winter im irdenen Topf. Vater, könntest du doch erleben, dass du uns einen Weihnachtsbaum für die Zukunft schenktest. Weihnachtsbaum. Die Lichterstrahlen in der dunklen Nacht.
29.12.24
Nach dem Fernsehgottesdienst
Ich habe die Predigt gut nachvollziehen können. Meine und deine Dämonen kenne ich all zu gut. Lass uns die Dämonen verscheuchen, dann erst werden wir frei für neue Aktivitäten. Du solltest deine Bescheidenheit etwas zurücknehmen. Du bist die Frau, die viel erreicht hat. Aber die Herkunft aus Eidinghausen hast du nie verleugnet. Ich selbst habe Dämonen überwältigt und versuche zu meiner Persönlichkeit zu stehen. Aber die Trauer bleibt und kann auch im neuen Jahr nicht geleugnet werden. Meine Trauer macht es möglich, dass ich mit Familie Sautter mitfühle. Gut, dass Helga meine Texte hingeschickt hat. Daraus kann sich noch etwas ergeben. Der Ackermann hat meine Texte gut interpretiert. Von wegen ein Assistent: Prof, an der Humboldt Universität. Ich will noch mal durchstarten. Das Vorlesebuch sollte erscheinen. Davon träume ich. Auch das Buch über Oma hätte es verdient, publiziert zu werden.
31.12.24
Silvester
Wunderbares Abendessen, Brote mit Schinken. Es geht mir gut und ich werde hoffnungsvoll ins neue Jahr schlafen. Aber wie der Lärm der Nachbarn in unsere Wohnung kam, ist mir ein Rätsel. Aber der Krach kam wirklich von den Nachbarn im Hochhaus. Die Musik war einschläfernd.
02.01.25
Besuch von meinem autistischen Freund Christoph und seiner Mutter
Ich habe mich von Christophs Besuch erholen müssen. Es war anstrengend, aber am Ende klappte es mit der Kommunikation so gut, dass Christiane glücklich nach Hause fuhr. Ich habe wohl gespürt, wie besorgt sie ist und wie schwierig es ist mit Volker, der so viel älter ist. Ich mag Christiane sehr.
Schade, dass wir nur noch sporadisch Kontakt haben. Ich komme mir vor wie ein Angeber. Dass er mich Kapitän nennt, spricht doch Bände. Er versteht mehr, als man denkt. Du hast ihn direkt angesprochen. Das hat ihm gut getan. Das machst du wirklich gut, und die Person fühlt sich ernst genommen.
03.01.25
Ich fühle mich sauber, wie chemisch gereinigt für das neue Jahr. Ich denke nicht an Aufgeben, sondern will alle Kräfte mobilisieren, die ich in meinem Selbst finden kann. Ich lasse mich nicht unterkriegen und sehe die Kraft meiner Mutter wachsen. So schnell ziehen wir nicht um in ein Altenheim oder ein Hospiz. Wenn nur irgend eine Seele uns treu bleibt, kommen wir zurecht und können sogar mit Schwarzarbeit überleben. Eigentlich möchte ich mal etwas zum Thema Schwarzarbeit veröffentlichen, mal sehen, wer es wagt, uns anzuzeigen.
04.01.25
Der Zirkus ist beendet
Alle Türen verschlossen bis zum nächsten Jahr. Ich fühle mich frei und warte auf Herausforderungen.
Wir haben vorgesorgt, aber unsere Vorsorge liegt letztlich in Gottes Hand. Darauf verlasse ich mich.
Schicksalsschläge treten überfallartig ein und lassen sich nicht vorprogrammieren. Was auch kommt, wir erwarten es mit Geduld. Auf keinen Fall erwarte ich, dass Menschen aus der Familie ihr persönliches Eigenleben aufgeben. Von niemandem bin ich enttäuscht und niemandem trage ich etwas nach. Ich bin ich und will mein Leben in die Hand nehmen. Dass Mutter bei mir aushalten will, ist ein Geschenk, das ich aber nicht einfordere. Es ist ihre freie Entscheidung. Geschenke kann man nicht einfordern oder mit Geld auszahlen. Mein Leben ist ein Geschenk, und dass ich eine solche Mutter habe, ist Geschenk. Man könnte es auch Gnade nennen. Da werde ich mal wieder missionarisch.
05.01.25
Ich glaube, dass du Recht hast mit der Vermutung, dass mich das Wetter so unfähig macht. Ich verstehe mich selbst nicht mehr und weiß genau, dass ich dir Unrecht tat. Wie immer hast du gut für mich gekocht. Ich denke daran, dass du allein bist mit allen Sorgen. Aber wer denkt an uns? Wer sorgt sich um uns? Morgen Feiertag. Das hatte ich nicht auf dem Schirm.
07.01.25
Meine treue Palma hat wieder ihren Dienst angetreten
Ich finde, dass meine Mutter sich überfordert. Ich bin erschreckt, wie müde sie aussieht. Ich kann das nicht verantworten und bin bemüht, nicht mehr so anspruchsvoll zu sein. Es war alles sehr heftig, und die Verletzungen trafen tief. Und trotzdem hast du so viel Herz für die anderen, bleib so, wie du bist.
Du bist eine starke Frau. Das wird sich noch zeigen. Wir bleiben uns treu und weichen nicht ab von eingeschlagenen Wegen. Alles wird gut. Geduld ist gefragt, Geduld und noch einmal Geduld.
Geduld
Was für ein Wort. Das Substantiv hört sich geradezu steril an. Geduldig sein. Wer möchte das nicht?
Wie lernt man das Geduldigsein, wenn Schmerzen alle Gefühle blockieren? Ich habe keine Schmerzen erlebt. Ich weiß gar nicht, wie sich körperliche Schmerzen anfühlen. Das Problem mit den fehlgeleiteten Sinneswahrnehmungen war und ist ein Autistenschicksal. Aber es scheint ein Segen zu sein, wenn das Schmerzempfinden gestört ist. Ich empfinde keine Schmerzen. Das stimmt.
08.01.25
Ich werde mich mit der Realität versöhnen müssen. Ich bin ein eigenständiger Mensch und nicht der Nabel der Welt. Meine Erwartungen an andere Menschen habe ich spürbar reduziert, ohne jemandem Vorwürfe zu machen. Ich will dazu stehen, dass ich erwachsen bin. Aber die vielen Personen, zu denen ich in eine Beziehung getreten bin, möchte ich nicht enttäuschen, auch dann nicht, wenn sie mich enttäuschen.